Unsere Historie

Geschichte, die bewegt

Mitte der 1980er Jahre treffen sich in regelmäßigen Abständen sozialpädagogische Fachkräfte von verschiedenen Einrichtungen stationärer Wohngruppen aus dem Großraum München zum informativen Austausch. Im „Arbeitskreis Jugendwohnen Oberbayern“ (AJO) wird insbesondere über qualitative und innovative Ansätze von Verselbständigungshilfen junger Menschen diskutiert. Der damalige Sprecher dieses Kreises, Hans Schmidhofer, lädt im Sommer 1986 zu einem Geburtstagsfest in seine Schwabinger Wohnung ein. Und auf dem Balkon – hoch über den Dächern von München – brütet er zusammen mit Freunden die Idee aus, ein eigenes Angebot realitätsnaher Betreuungsformen zu entwickeln. Im Vordergrund steht die Erfahrung, dass die bisherigen Angebote der Heimerziehung ungenügend auf die Lebenssituation der Jugendlichen nach dem Heimaufenthalt vorbereiten. Daraufhin wird das Konzept „Sozialpädagogisch Betreutes Wohnen“ (SBW) erarbeitet. Und weil man für eine Einrichtung einen Träger braucht, wird am 26. Juni 1987 der „Verein für Sozialarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen e.V.“ gegründet.

Hans Schmidhofer und Johannes Seiser beginnen im Herbst 1987 neben ihrer hauptberuflichen Tätigkeit in Wohngruppen nun als Honorarkräfte des Vereins mit der Betreuung von zwei Jugendlichen in Einzelwohnungen. Der Auftraggeber, das Stadtjugendamt München, erkennt in kurzer Zeit den steigenden Bedarf dieser neuen Form stationärer Hilfen. Es folgt die Betriebserlaubnis der Heimaufsicht und am 1. April 1988 startet der Verein in der Schwabinger Apianstraße 5 mit einer Anlaufstelle. Sie beherbergt als Ladenbüro die ersten drei angestellten Sozialpädagogen/innen. Sie betreuen insgesamt elf Jugendliche in Appartements, die im Stadtgebiet vom Verein angemietet werden. Damit entsteht die erste Jugendhilfeeinrichtung des betreuten Einzelwohnens als so genannte „dritte Säule der Heimerziehung“. Das SBW boomt in den folgenden drei Jahren, so dass die Platzzahl versechsfacht werden kann. Dieser Erfolg führt zu weiteren differenzierten Ansätzen von Betreuungsformen für Jugendliche und junge Erwachsene, was durch das neue Kinder- und Jugendhilfegesetz im Jahr 1991 zudem untermauert wird.

1991 entsteht die „Intensive Sozialpädagogische Einzelbetreuung“ (ISE), die sich als spezifische Unterstützung zur sozialen Integration und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung junger Menschen mit erhöhtem Betreuungsbedarf versteht. 1992 entscheidet der Vorstand auf Grund des Betreuungsschwerpunktes „Wohnen“ eine eigene Fachstelle „Wohn-Service-Referat“ (WSR) einzurichten. Sie ist für die Akquise von Wohnräumen, die Beratung und Unterstützung der Betreuer und Betreuten in Wohnungsfragen und die Verwaltung von Mietverträgen zuständig. Damit erreicht der Verein ein effektives sowie effizientes Wohnungsmanagement.

Mit dem Projekt „Wissenschaftliche Vertiefung in der Jugendhilfe“ untersucht der Verein gemeinsam mit der AgaS Arbeitsgemeinschaft für angewandte Sozialforschung GmbH 1993 – 1996 im Auftrag des Bayerischen Sozialministeriums das Betreute Einzelwohnen in Bayern. Die Entwicklung der differenzierten Bedarfe für unterschiedliche Zielgruppen führt 1996 zur Namensvereinfachung „Verein für Sozialarbeit e.V.“ (VFS) und zur Gründung der drei Einrichtungen „Begleitetes Wohnen“ (BGW), „Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge“ (BMF) sowie „Mutter/Vater-Kind-Einrichtung“ (MKE).

1998 wird die intensivpädagogische Wohngruppe „Handloh“ in der Nähe von Eggenfelden konzipiert, die Mitte 2000 mangels Belegungsinteresse wieder geschlossen wird. Bis Ende 2007 wird der Bauernhof als Seminarhaus genutzt und schließlich von einem ehemaligen Mitarbeiter selbstständig fortgeführt.

1999 beginnen die „Intensivpädagogische Betreuung“ (IPB) und das „Projekt für Integration, Kreativität, Arbeit, Schule, Service, Innovation und Organisation“ (PIKASSIO) ihre Arbeit. Der Verein beschäftigt inzwischen mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Tagesmütter- und Tagesbetreuungsinitiative „tami & tabi“ startet 2000 in Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendamt München eine Kampagne zur Gewinnung von Betreuungspersonen für Kleinkinder. Drei Jahre später endet das Projekt.

2002 versucht der Verein mit dem Ausbildungswohnheim „JU 2“ ein Angebot für auswärtige Auszubildende aufzubauen, das zwei Jahre später wegen permanenter Subventionsbedürftigkeit aufgegeben wird.

Anfangs 2003 werden auf Grund des „Umbau-statt-Ausbau“-Programms der Landeshauptstadt München aus der Einrichtung ISE die „Ambulanten Erziehungshilfen“ (AEH) sowie das „Intensiv Betreute Wohnen“ (IBW). Mit der Betriebsträgerschaft der Kinderkrippe in der Görzerstraße steigt der Verein im Herbst in die Kinderbetreuung ein. Zugleich beginnt mit den „Sozialpädagogischen Stütz- und Förderklassen“ (SFK) ein erster Versuch, Schulkinder mit erhöhtem Jugendhilfebedarf zusammen mit Lehrkräften zu unterrichten. Dieses Pilotprojekt endet wegen Differenzen zwischen dem Schul- und Jugendamt mit Schuljahresende.

Am 21. September 2003 stirbt Hans Schmidhofer, der charismatische Mitbegründer und langjährige Geschäftsführer des Vereins. Mit mehr als 180 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 10 Mio. Euro hat er den Verein an die Größe einer mittelgroßen Kapitalgesellschaft herangeführt.

2004 wird die Betriebsträgerschaft für die Kinderkrippe in der Maistraße übernommen. Der zunehmende Konsolidierungsdruck der öffentlichen Auftraggeber zwingt den Verein zu Umstrukturierungs- und Einsparungsmaßnahmen. Als einer der Hauptpreisträger der Mittelstandsförderung „Arbeiten wie die Besten“ wird der Verein für seine Leistungen honoriert.

Anfang 2005 werden das BGW, die IBW und das SBW zum „Flexibel Betreuten Wohnen“ (FBW) fusioniert. Von den ursprünglich mehr als 100 Plätzen sind nunmehr 64 Plätze genehmigt.

2006 übernimmt der Verein von einer Elterninitiative die Mittagsbetreuung (MIB) an einer Grundschule. Im Landkreis München starten die „Ambulanten Familien- und Jugendhilfen“ (AFJH).

Anfangs 2007 erhält der Verein die Trägerschaft des Nachbarschaftstreff Arnulfpark (NTA). Am 12. Juli 2007 gründet er das Tochterunternehmen „Gemeinnützige Gesellschaft für Kinderbetreuung mbH“, das weitere Kinderbetreuungseinrichtungen im Großraum München betreibt und mit Jahreswechsel die beiden Kinderkrippen des Vereins übernimmt.

2008 wird die BMF wegen des verstärkten Zuzugs von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen erweitert und die MIB auf Grund des erhöhten Bedarfs um eine Gruppe vergrößert. Für das Projekt „Bildungsinsel im Arnulfpark“ des NTA erhält der Verein eine namhafte Förderung der SWM Bildungsstiftung.

Im Herbst 2009 startet in vier Münchner Sozialregionen das Krisen-Interventions-Team (KIT), das als ambulante Krisenhilfe aus der Einrichtung IPB hervorgeht. Ende des Jahres wird der Nachbarschaftstreff Blumenau (NTB) eröffnet, nachdem sich der VFS erfolgreich mit seinem Nachbarschafts-Konzept beworben hat.

Mit „PIKASSIOplus“ wird im Mai 2010 ein weiteres Segment im Schul- und Arbeitsprojekt hinzugefügt, um mit einer intensiven ambulanten Betreuung eine umfassendere Unterstützung von Jugendlichen, die keinen Schulabschluss haben, anzubieten.

Zu Jahresbeginn 2011 wird die „Initiative Dein München“ (IDM) gestartet, um die Teilhabe am Stadtleben für alle Münchner Kinder und Jugendliche bei kulturellen, sportlichen, gesellschaftlichen und künstlerischen Ereignissen ermöglichen zu können. Im Herbst wird die MIB an den AWO Kreisverband München-Land e.V. übergeben.

Im Frühjahr 2012 werden die Einrichtungen AEH, FBW und IPB/KIT zum Betrieb „Erziehungshilfe München (EHM)“ zusammengefasst.

Am 6. November 2012 werden die „MKE Gemeinnützige Gesellschaft für Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen mbH“ und die „PIKASSIO Gemeinnützige Gesellschaft für sozialpädagogisch betreute Schul- und Arbeitsprojekt mbH“ gegründet, die mit Jahresende die beiden im Verein bestehenden Einrichtungen MKE und PIKASSIO übernehmen. Der VFS erhält in diesem Jahr die Trägerschaft für zwei weitere Nachbarschaftstreffs, den Nachbarschaftstreff Parkstadt Schwabing (NTS) sowie den Nachbarschaftstreff Hirschgarten (NTH).

Im Herbst 2013 wird dem VFS die Trägerschaft für den Nachbarschaftstreff Trudering (NTT) übertragen. Auch im Bereich der Studentenhilfe engagiert sich der VFS durch Bereitstellung von Wohngemeinschaften.